Philosophie

Großes geschieht, wenn Mensch und Berg sich treffen.

William Blake

Projektintention

Berlin ist in den letzten Jahren zur Pilgerstätte für Künstler aus aller Welt geworden, es ist die Metropole schlechthin für zeitgenössische Kunst des 21.Jahrhunderts. Aufgrund des Überangebots ist jedoch fraglich, wie viel davon tatsächlich wahrgenommen, im aktiven Sinne rezipiert wird. Der Betrachter droht vielmehr zu versinken in einem Strudel an Ausstellungen, Eröffnungen und Performances in allen Teilen dieser Stadt. Wer nimmt da wen noch wahr, und findet noch ein echter Austausch und eine Verständigung statt zwischen Rezipient und Kunst innerhalb dieses geschlossenen Kunstsystems? Sind der urbane Mensch, der Kunstsammler, der Künstler dazu noch in der Lage?

Je mehr die Natur im Alltag vor allem des Städters im Schwinden begriffen ist, desto mehr wächst die Sehnsucht nach ihr. Bereits der noch sehr naturverbundene Goethe empfand Faszination angesichts der Unverständlichkeit der Natur:

Wir leben mitten in ihr und sind ihr fremd. Sie spricht unaufhörlich mit uns und verrät uns ihr Geheimnis nicht. Wir wirken beständig auf sie und haben doch keine Gewalt über sie.

 

Dies Geheimnisvolle der Natur wirkt umso stärker auf den der Natur kaum noch ausgesetzten Stadtmenschen; sobald er beginnt, sich nach ihr zu sehnen.

Die alpine Bergwelt gehört hierbei zu den bevorzugten Sehnsuchtsorten, da sie eine Fülle unterschiedlicher Empfindungen ermöglicht: Die Natur der Bergwelt ist nicht einfach nur schön, sondern erweckt das Gefühl der Erhabenheit, da sie als furchtbar (potentiell gefährlich) wahrgenommen wird, ohne das der Betrachter, der Wanderer, sich tatsächlich vor ihr fürchten würde.

So wundert es nicht, dass die Literatur über Berge selbst bereits zu einem kleinen Gebirge herangewachsen ist. Darin transportierte Vorstellungen sind Teil des kollektiven Bewusstseins unserer Gesellschaft, ebenso wie die Klischeebilder der zahlreichen, im Fernsehen oft wiederholten Heimatfilme der 50er Jahre sowie der unausweichlichen Werbebotschaften der Outdoorausstatter. Im Zuge einer erstarkten Ökologisierung der Mitte der Gesellschaft wurde „Öko“ zu „grünem Glamour“ und der Wanderurlaub kam wieder in Mode: doch wie wirkt die reale natura naturata auf den Städter und seine Klischeebilder, wenn beide plötzlich unvermittelt aufeinander treffen?

Für Walter Benjamin hatten sowohl Natur auch als Kunst eine Aura, die durch Unnahbarkeit, Echtheit und Einmaligkeit gekennzeichnet sei. Was aber geschieht nun mit dieser Aura, wenn Kunstwerke im Rahmen einer Kunstaktion durch die Natur getragen werden? Die Echtheit und Einmaligkeit sowohl der Kunst als auch der Natur stehen außer Frage, doch was ist mit der Unnahbarkeit? Und wie wirkt das Kunstwerk, wenn es statt in seiner gewöhnten städtischen Umgebung in der kunstfernen Umgebung einer Berghütte präsentiert wird? Wie wirkt es auf Menschen, deren alltägliche Erfahrungen mit Bergen authentischer, weniger vermittelt sind als die der Künstlerin?

Die überhöhte, abstrakte und auch stereotype Bergthematik in der Kunst, die von der Künstlerin gebildete Natur, wird nun auf die von der Natur gebildete Natur treffen. Begleitet von einem Fotografen soll auch der ästhetische Wert dieser Begegnung festgehalten werden und so der nonverbale Dialog in der Bergkulisse seinen bildgewaltigen Ausdruck finden. Während der Einzelpräsentation auf den Etappenhütten hingegen kann im verbalen Dialog mit anderen Gästen der Berghütte beispielsweise die bereits angesprochene Frage der Aura beleuchtet werden.

Die im Anschluss an die Wanderung entstehenden großformatigen Bilder werden demnach vor dem Hintergrund eines durch persönliche Erfahrung und Dialog veränderten Bildes von Bergwelt entstehen.

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