„CUT IN“ in WIEN

Cut In to Find Out

“Die Wanderausstellung – Kunst auf dem Berliner Höhenweg”  ein Kunstprojekt von Katrin Kampmann zu Gast im Kunstbuero & Schaulager

In der Filmkunst bezeichnet der Begriff Cut In eine Montagetechnik, bei der (gleichbleibende Kameraposition vorausgesetzt) sprunghaft von der Totalen oder Halbtotalen in die Detailaufnahme gewechselt wird, etwa um ein Gefühl oder eine Bedeutung zu unterstreichen. Dem Betrachter kann das Cut In zu einer Erkenntnis verhelfen. Doch gilt das möglicherweise auch für den Monteur?

Amer Abbas zeigt in seiner Galerie ein Cut In der „Wanderausstellung“. Dabei handelt es sich um ein zeitlich und räumlich sehr umfangreiches Kunstprojekt, in dem Malerei, Performance, Fotografie und Film interagieren, in dessen Zentrum jedoch die Malerei der international vertretenen Künstlerin Katrin Kampmann steht. Für „Die Wanderausstellung“ hat die Malerin zunächst 15 kleinformatige Leinwände mit Motiven zum Thema Bergwelt gemalt. Was weiß eine Berlinerin, die in Bonn und Paris aufgewachsen ist, von alpiner Bergwelt? Kampmann kannte vor dem Projekt die Berge nur vom Skifahren, und auch das lag schon eine Weile zurück.  Und doch wird man auch in Berlin ständig mit (Klischee-)Bildern aus dem Hochgebirge konfrontiert: Sei es in Literatur, Film, Werbung, Internet oder Philosophie. Im Bewusstsein ihrer Vermitteltheit und Klischeehaftigkeit hat Katrin Kampmann diese Bilder zu Gemälden verarbeitet. Die merkwürdige emotionale Distanziertheit, die mit dem jederzeit digitalisierbaren und schon auf Digitalisierbarkeit angelegten Erleben einhergeht, beschäftigt die Künstlerin seit Langem. Doch was entwickelt sich, wenn jetzt auch die Bilder etwas erleben und die Betrachter mit ihnen?

Mit dieser Frage und ihren 15 Leinwänden im Gepäck machte sich Kampmann mit ihren Kuratorinnen Felicitas Aull und Eva Wißkirchen auf ins Zillertal zu einer performativen Wanderung – auf den Berliner Höhenweg, der u. a. die Hütten der Berliner Sektion des Deutschen Alpenvereins verbindet. Die Bilder wurden auf Rucksäcken festgeschnallt von den drei Damen von Hütte zu Hütte getragen und dort ausgestellt. Die ganze Aktion wurde – wie könnte es im digitalen Zeitalter anders sein – von einem Fotografen (Henrik Jordan) festgehalten, Katrin Kampmann und Eva Wißkirchen machten Filmaufnahmen. Dies digitalisierte Erleben wird nun wiederum von der nach Berlin remigrierten Künstlerin auf sieben großen Leinwänden verdichtet.

Die Digitalisierung von Erlebnissen, die zunehmende Kontrollierbarkeit der Aufnahmetechnik (von der Lochkamera zur Digicam), die Klischeehaftigkeit der Bilder sowohl vom Hochgebirge, als auch vom Kunstkosmos: all dies wurde auf den Hütten mit einem zwar kunstfernen, aber über echte, unmittelbare Hochgebirgserfahrungen verfügenden Publikum andiskutiert. Allein, die Gesprächslust konnte nicht erschöpft werden. Wie den drei Wanderinnen zu Ohren kam, ist diese auch beim Wiener Kunstpublikum sehr ausgeprägt, weshalb Kampmann und Wißkirchen erneut ihre Ränzlein schnüren und einige aufschlussreiche Details der Wanderausstellung in der Donaumetropole vorführen wollen: Die schon durchs Zillertal getragenen Bilder werden zu sehen sein, Teile der fotografischen Dokumentation; und die ein oder andere Überraschung passt vielleicht auch noch in den Wanderrucksack.

Auf diese Weise können gewillte Wiener herausfinden, worum es in dem Projekt geht, aber auch die Wanderausstellerinnen hoffen, im Gespräch neue Erkenntnisse über die verhandelten Themen zu gewinnen: Cut In to Find Out – ein hoffentlich einschneidendes Erlebnis für beide Seiten.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website http://www.katrinkampmann.de

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